Warum Freaks bei Feix ganz normal sind                            von Gert Feix

Mein Ur-Ur-Großvater war Fleischer, Maurer, Zimmermann und lernte dann Gürtler bevor er sich 1878 mit einer Lohnpresserei selbstständig machte. Heute würde man ihn einen Quereinsteiger nennen. Auf jeden Fall bewies er unternehmerischen Mut in einer Zeit, die von Arbeitslosigkeit und wirtschaftlichen Unruhen gekennzeichnet war.

Durch Aufträge aus der Gablonzer Industrie wuchs seine kleine Firma schnell und begann eine eigene Kollektion an Prägewerkzeugen aufzubauen. Als echter Macher und Pionier führte er 1891 den elektrischen Strom in seiner Fertigung ein und erschloss sich damit weitere technische Möglichkeiten um zu wachsen. Sein Sohn Rudolf Feix sen., ein Vollbluttechniker ergänzte die Produktion um Artikel, die die konjunkturellen Schwankungen des Schmuckgeschäfts ausglichen. Zuerst waren es Zubehörteile für schmiedeeiserne Gartenzäune, später entstand eine Produktion von Beleuchtungskörpern, die meinen Opa, Rudolf Feix jun. mit seinem enormen Fleiß und seiner Akribie zum größten Lampenhersteller der damaligen tschechischen Republik machte.

Durch den Einfluss des 2. Weltkrieges musste die Produktion weitgehend umgestellt werden. Zwar wurden noch Koppelschlösser, Abzeichen und Knöpfe gefertigt, doch die eigentliche Schmuckfertigung ruhte. Die Firma beschäftigte sich schon damals mit Zinkdruckguss und fertigte Antennen für Nachtjäger, die Vorläufer des heutigen Radars. In der Blechverarbeitung war ein derart hohes Niveau erreicht, dass wir in der Lage waren, Uhrwerkzünder für die Flak zu fertigen, die deutlich zuverlässiger waren als Wettbewerbsprodukte.

Als das Unternehmen 1946 enteignet wurde und meine Vorfahren ihre Heimat verlassen mussten, beschäftigte das Unternehmen über 400 Mitarbeiter. Das Unternehmerblut unserer Familie erzwang den Neuanfang in den ehemaligen Hallen des Messerschmittwerkes in Augsburg. Aus allen verfügbaren Materialien wurde Schmuck gefertigt, gemischt mit einem weiten Portfolio an Industrieprodukten aus Metall. Rückgrat der Fertigung war die Herstellung von Fahrradketten.

Mein Opa, ein Goldschmied, ausgebildet an der Kunstakademie in Hanau, sah aber die Zukunft im Schmuckgeschäft und setzte sich mit seinen Ideen für eine neue Schmuckkollektion durch. Deshalb folgte auch 1954 der Umzug an den heutigen Standort in Kaufbeuren-Neugablonz, um näher an den Hauptkundenkreis zu kommen. Über die folgenden Jahre baute die Firma eine Kollektion von heute über 9.000 verschiedenen Prägeteilen für die Schmuckindustrie auf, beschäftigte sich aber parallel immer auch mit Teilen aus anderen Industrien um die nach wie vor starken Schwankungen der Schmucknachfrage ausgleichen zu können.

Mein Vater, der nach seinem Abitur eine Lehre als Werkzeugmacher mit dem Meistertitel abschloss, beginnt seine Tätigkeit im väterlichen Unternehmen ungefähr zur selben Zeit. Er verbindet leidenschaftliche Tüftelei mit der technischen Perfektion seines Lehrherren in München. Er findet neue Konzepte zur Fertigung der Schmuckprägeteile und modernisiert die traditionelle Fertigungsweise. Sein technischer Erfindungsreichtum gipfelt in selbst konstruierten und gebauten Sondermaschinen als Fertigungslösung verschiedener Produktgruppen.

Im Jahr 1969 übernimmt mein Vater die Firma und ist von nun an stärker im Büro engagiert. Zugleich entstehen noch einige ausgefallene Fertigungslösungen für Teile der Uhrenindustrie, Haushaltswaren, Möbelbeschläge und vieles mehr. In dieser Phase beginnt er auch wieder mit der Fertigung von Teilen aus Zinkdruckguss, ursprünglich zur Ergänzung der Schmuckkollektion. Nachdem wir aber bisher nur Halbfabrikate für den Schmuck gefertigt haben und unseren Kunden keinen Wettbewerb durch Fertigartikel bieten wollten, führte die Gießerei in diesen Anfangsjahren eine Art Dornröschenschlaf. Erst ein Kontakt mit Herrn Bodo Hennig, einem Drechslermeister aus dem Erzgebirge, der im Allgäu eine Fabrik für Puppenmöbel aufgebaut hatte, brachte der Gießerei eine zentrale Rolle in unserer Produktion.

Die beiden Unternehmer, beide etwa gleich alt, Meister ihres Faches und passionierte Perfektionisten, saßen zusammen wie kleine Buben und erdachten sich mehr als 200 Miniaturen für Puppenstuben. Meist waren dies Haushaltsgegenstände vergangener Tage, die einerseits dekorativ sein und andererseits eine echte Bewegungsfunktion zum Spielen haben sollten. Die einzige Kritik, die dieses für beide Seiten sehr erfolgreiche Geschäft mit sich brachte war, dass ihre Kreationen fast zu schade zum Spielen waren.

1988 kam ich nach meinem Studium und ersten beruflichen Erfahrungen als Ingenieur in der Entwicklung bei Siemens in die Firma, die zu dieser Zeit einen ihrer kommerziellen Höhepunkte erlebte. Mein Tatendrang zur Veränderung und eine gewisse finanzielle Unabhängigkeit machten es mir einfach, in modernste Werkzeugmaschinen zu investieren und die Verfahren weiter zu optimieren. Es entstanden weitere Miniaturen, die zunehmend komplexer wurden, aber immer unter dem Gesichtspunkt einer möglichst kostengünstigen Fertigung konstruiert wurden. Anfang der 90er Jahre zeichnete sich dann ab, dass auch uns der Trend nach Verlagerung lohnintensiver Fertigungen - wie der Modeschmuckindustrie - nach Südostasien, stark betreffen wird.

Als ich 1994 das Unternehmen von meinem Vater übernahm, hatten wir im Vergleich zum Ende der 80er Jahre fast 80% unseres Umsatzes im Schmuckbereich verloren. Meine Aufgabe bestand nun darin, eine neue Perspektive für das Unternehmen zu schaffen. Ich suchte deshalb nach Anwendungen von Zierteilen abseits des Schmucks, um unsere Stärken, die Verbindung traditionellen Handwerks mit modernen Fertigungsmethoden, zu nutzen. Dieser Weg führte von einer Zusammenarbeit mit Kunden aus der Floristikbranche über einen Airbag-Hersteller, dem wir als erste eine Möglichkeit aufzeigten, wie man wieder die Firmenlogos der Automobilhersteller auf dem Lenkrad mit Airbag befestigen konnte, hin zu einer intensiven Zusammenarbeit mit Produzenten in der Schreibwarenindustrie. Allen voran die Firma Montblanc, für die wir Clipse und Zubehörteile für limitierte Serien wie auch für die Großserie lieferten. Immer waren wir Ideengeber und -entwickler bis zur Produktreife. Häufig für die Marktführer der jeweiligen Branche.

Um dem allgemeinen Trend einer Konzentration auf das Kerngeschäft gerecht zu werden, standen wir 1999 vor der Frage, ob wir die Blechverarbeitung oder den Zinkdruckguss intensiver weiterentwickeln sollten. Wir entschieden uns für die Gießerei, eine Entscheidung, die wir bis heute nicht bereut haben.

Trotz einer Zertifizierung unseres Qualitätssystems nach DIN ISO 9000 war es zu Beginn schwer, in einem besetzten Markt potentielle Kunden davon zu überzeugen, dass ein Zierteilhersteller die nötige Präzision besitzt, um sich in diesem harten Markt zu bewähren. Aber es gab einige weitsichtige Ingenieure, die uns eine Chance gaben. Wir nutzten diese Chancen und entwickelten die Gießerei von einem damaligen Zinkdurchsatz von 50 Jahrestonnen auf heute ca. 600 Jahrestonnen innerhalb von 6 Jahren. Unterstützung erhielten wir von unserem Hauptkunden, der Firma Kathrein, für die wir große Mengen an Zubehörteilen für Mobilfunkantennen fertigen. Deren Bekenntnis zur Firma Feix unterstrichen sie im Jahre 2003 mit einer Beteilung an unserem Unternehmen.

 

Mittlerweile ist unsere Gießerei endgültig am Stand der Technik angekommen. Der Formenbau samt Konstruktion wurde komplett modernisiert und unsere Personalstruktur den Erfordernissen eines modernen Marktumfeldes angepasst. Auch wenn ein zunehmender Kostendruck und die Konzentration auf ein eng begrenztes Fertigungs-Knowhow die Entwicklung von Sondermaschinen mittlerweile unmöglich machen, steckt unser Hang zum Perfektionismus in den Formen, den Verfahren und damit in den Produkten unserer Kunden. Wer mit uns zusammenarbeitet, bekommt nicht nur Zinkteile geliefert, sondern wird auch etwas von dem Geist spüren, der uns antreibt - wir sind Freaks im Zinkdruckguss.

Wer unsere Möglichkeiten, das Engagement und die Ergebnisse unsere Arbeit kennt, den brauchen wir nicht mehr zu überzeugen. Wer dies alles kennen lernen möchte, der ist herzlich eingeladen.

Ihr
Dipl. Ing. Gert Feix

gert.feix(at)feix.de

 
PS:
Die nächste Generation besucht momentan das Gymnasium ...

 

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